Für einen Computer ist immer schon elektrischer Strom notwendig gewesen. Der Strom kommt aus der Steckdose. Die meisten Computerbesitzer wissen aber wahrscheinlich nicht genau, was elektrischer Strom ist und wie genau er aus der Steckdose kommt. Schon seit den späten 1990er Jahren verhält es sich ähnlich mit der Cloud, also der Rechnerwolke. Irgendwo im Internet gibt es ein seltsames und nur schwer zu verstehendes Reich, eine gigantische Rechnerwolke, in der Rechnerkapazitäten und Speicherplatz geradezu unbegrenzt vorhanden sind. Mit Internet-Browsern öffnet man Programme im Internet, legt Daten auf Servern im Internet ab oder lädt Daten aus dem Internet auf den eigenen Computer herunter. Hierbei ist es für die Benutzer überhaupt nicht wichtig, die technischen Details des Wolkenrechnerreichs zu verstehen. Alltägliche Anwendungen, zum Beispiel Facebook, sind Anwendungen, die über die Cloud benutzt werden. Die Verfügbarkeit der Cloud ist heute genau so selbstverständlich wie der Strom aus der Steckdose.

Wolkenrechnen in der Rechnerwolke

Cloud-Computing ist mittlerweile in aller Munde. Start-ups, KMU (kleine und mittelständische Unternehmen) und Konzerne verlagern ihre IT zunehmend zu Cloud-Anbietern. Die Ursachen sind sicherlich genauso vielfältig wie die Angebote: Kürzere Bereitstellungszeiten, Kostenersparnis, On-Demand-Modelle, größere Flexibilität, keine Investments erforderlich, es entstehen nur laufende Kosten. 

Nach einer Analyse der Analysten von IDC wurden im Jahr 2016 für Public Cloud-Angebote rund 95 Milliarden US Dollar ausgegeben (1). Das Potenzial bis zum Jahr 2020 liegt bei rund 294 Milliarden US Dollar. Die Analysten von Gartner haben berechnet, dass bis zum Jahr 2020 ca. 1 Billion US Dollar der IT-Budgets in Cloud-Lösungen investiert werden (2)

Diese Zahlen machen deutlich, das Cloud-Computing längst kein Hype mehr ist, sondern die Planungsrunden für IT-Budgets beherrschen. Raus aus dem unternehmenseigenen Rechenzentrum, rein in die Cloud ist die Devise der kommenden Jahre.

Es ist nicht mehr die Frage, ob  IT in die Cloud migriert wird, sondern nur noch wann mit der Migration begonnen wird. Gartner empfiehlt, umgehend eine Cloud-First-Strategie zu verfolgen. Je eher ein Unternehmen Erfahrungen mit Cloud-Computing sammelt, desto besser können Digitalisierungsstrategien unterstützt werden. Der Bereich „System Infrastruktur“ hat ein Marktvolumen von 294 Milliarden US Dollar und sollte gemäß Gartner als erstes in die Cloud migriert werden.

Cloud Computing: eine Revolution in den IT-Abteilungen der Unternehmen 

Doch was auf den ersten Blick so einfach und leicht erscheint, ist keineswegs trivial. Mit der Nutzung von Cloud-Computing erhöht sich die Komplexität der meisten IT-Infrastruktur-Umgebungen. Es haben sich verschiedene Modelle des Cloud-Computings etabliert, die im Folgenden skizziert werden.

Private Cloud und andere Cloud-Modelle

Jegliche Aktionen auf dem Computer, die eine funktionierende Internetverbindung erforderlich machen, fallen also streng genommen in den Bereich des Cloud Computing. Das Wolkenrechnen ist schon längst zu einem selbstverständlichen Teil unseres Alltags geworden. In der Geschäftswelt versuchen Firmen, die Ausgaben mit der Informationstechnik durch Auslagerung von Kapazitäten in die Cloud zu senken. Wenn nicht nur der Strom aus der Steckdose, sondern auch die Rechenkapazität, der Datenspeicher und die Softwarestrukturen direkt aus dem Internet, also aus der Rechnerwolke, kommen, ist es interessant, die Ausgaben mit firmeneigenen Servern zu reduzieren. Schließlich haben nur die wenigsten Firmen eine eigene Stromerzeugung. Private Cloud ist das Cloud-Modell, das den Unternehmen am meisten Privatsphäre, Datenschutz und Zugangsbeschränkungen bietet. Eine Private Cloud wird im unternehmenseigenen Rechenzentrum hinter einer oder mehrerer Firewalls betrieben. Hinter diesen Firewalls stecken firmenspezifische IT-Architekturen, die nur von eingewiesenen Mitarbeitern der jeweiligen Firmen benutzt werden. Hier finden sich meistens die wichtigsten Datenbanken, ERP-Systeme, Reservierungssysteme oder Online-Shops. Dabei besteht das Ziel darin, das Weitergeben von firmenspezifischen Daten und Geschäftsprozessen an Clouddienstanbieter zu minimieren – die Private Cloud bietet die höchste Stufe des Datenschutzes und der Datensicherheit.

Public Cloud

Im Gegensatz zur Private Cloud wird eine Public Cloud, die öffentliche Rechnerwolke, ausschließlich im Rechenzentrum eines externen Dienstleisters oder Softwareherstellers betrieben. Public Cloud hat das Wolkenrechnen überhaupt erst so richtig populär gemacht. In der öffentlichen Rechnerwolke mieten Firmen IT-Infrastrukturen je nach gerade vorhandenem Nutzungsbedarf. Dadurch hat sich die Rechnerkapazität ähnlich wie der elektrische Strom in einen ständig von Versorgungsbetrieben gelieferten Dienst verwandelt.

Hybrid Cloud (auch Multi-Cloud)

Hybrid Cloud ist ein Marketingbegriff, der Unternehmen eine geschickte Kombination von abstrakten IT-Architekturen aus den Bereichen „Private Cloud“ und „Public Cloud“ nahelegt. So genießen die Unternehmen Vorteile beider Nutzungsweisen. Es können z.B.  Dienste der Private Cloud zunächst zu Testzwecken in die Public Cloud verlagert werden. Es bestehen besondere Herausforderungen an das IT-Asset-Management, da es für die unterstützenden IT-Service Management-Prozesse entscheidend ist, wo die Assets betrieben werden – on premise oder beim externen Dienstleister.

Managed Cloud

Heute ist es selbstverständlich, dass Firmen ihre Nutzung der Cloud ständig verbessern. Die technischen Möglichkeiten dieses Gebiets befinden sich im raschen Wandel. Nur gut ausgebildete Spezialisten verstehen einerseits die allgemeinen Möglichkeiten und andererseits die jeweils firmenspezifischen Nachfragen und Notwendigkeiten. In der Managed Cloud gehen die Unternehmen daher so weit, dass sie sämtliche mit dem Cloud Computing verbundenen Aufgaben an den jeweiligen Dienstanbieter weiterleiten. So sparen die Unternehmen Personalkosten in einem Bereich, der ihren Hauptaktivitäten fremd ist.

Fazit

Die Verlagerung von IT-Services in die Cloud sollte eine wohl überlegte Entscheidung sein. CIOs und IT-Manager sollten klären, welche Applikationen und Programme in die Cloud migriert werden sollten und welche Auswirkungen dies  auf die Lizenzbestimmungen hat. Wie steht es um den Datenschutz und die Datensicherheit. Wie sehen die Supportprozesse aus? Welche Service Level Agreements (SLA) müssen vereinbart werden? Wie werden Abgrenzungen zwischen Public- und Private-Cloud definiert? Die Liste der offenen Fragen ließe sich fortsetzen, aber der Tenor wird klar: Ohne ein gewisses Grundvertrauen in den Cloud-Partner wird es nicht gehen. Dennoch ist die Zeit für die meisten Unternehmen mehr als reif, die vielen Vorteile des Cloud Computing zu nutzen.

 


Links:

http://www.idc.com/getdoc.jsp?containerId=prUS41669516

http://www.gartner.com/newsroom/id/3384720